ORIC  ATMOS
Hersteller Tangerine Computer Systems Ltd.
Erscheinungsjahr: 1984
Prozessor: MOS 6502A, 1 MHz Taktfrequenz
RAM: 48 kB
ROM: 16 KByte, mit Microsoft Extended Basic
Textmodus: 40 x 25
Grafikmodi: 240 x 200
Farben: 8 Farben
Soundchip: General Instruments AY3-8912
Sound: 3 Stimmen mono, 1 Rauschgenerator
Tastatur: 58 Tasten, QWERTY
Weiterführende Links: 8-Bit-Museum: Oric
8-Bit-Nirvana: Oric Atmos
Der ORIC Atmos ist der Nachfolger des ORIC 1 und unterscheidet sich durch ein deutlich verbessertes Gehäuse und einigen Fehlerkorrekturen im ROM. Er wurde 1984 von als vorletztes Gerät einer Reihe von Computern von Tangerine Computers Ltd. entwickelt. Die Geschichte von Tangerine Computers Ltd. erzählt, wie man es nicht machen sollte, da dieses Unternehmen schon acht Jahre später komplett pleite war.
Dr. Paul Johnson und Barry Muncaster kamen beide von Cambridge Consultants Ltd. und gründeten im Oktober 1979 Tangerine Computers Ltd. Ihr erstes Werk war der Microtan 65, eine Platine mit 1 kByte RAM und 1kByte ROM, die zusammen mit anderen Platinen in ein größeres Gehäuse eingebaut werden konnte. Den Systemmonitor programmierte Mike Rose mit, der zu der Zeit bei Sinclair arbeitete. Der Microtan 65 wurde für 59,95£ verkauft und hatte schon bald eine eignene Fangemeinde.
Dem Microtan 65 folgte der Tantel 170, ein stark erweiterter Microtan 65, der sich relativ häufig verkaufte.
Der Entwurf des Desktop-Computers Tangerine Tiger, einer CPM-fähigen Maschine, hätte der Wurf für Tangerine Computers werden können, er wurde aber an H.H. Elektronics weiter verkauft und Aufgrund des Konkurses deren Mutterkonzerns nie produziert. Der Tangerine Tiger bildet aber die Grundlage für den ORIC 1. Der Name »Oric« ist ein Anagramm aus den letzten vier Buchstaben des Wortes »micro«, den der Geschäftsführer John Tullis erdacht hatte.
Aus Tangerine Computers Ltd. ging 1982 die Oric Products International Ltd. hervor, die den ORIC vermarktete. Zu diesem Zeitpunkt war der ZX 81 in England schon eine feste Größe und Sinclair hatte mit dem Nachfolger ZX Spectrum den größten Marktanteil. Der ORIC 1 wurde für den August 1982 angekündigt, was aber nicht gelang. Die ersten an Fachjournalisten verteilten Vorserienmodelle waren nicht nur nicht ausentwickelt, sodass sie größtenteils nicht funktionieren, es fehlten auch entsprechende Anleitungen. Dementsprechend wurde teilweise vom Kauf abgeraten, unter anderem, weil kein Handbuch mitgeliefert wurde. Viel Ärger machte auch die fehlerhafte Kassetten- Laderoutine, die notwendig machte, den Ladevorgang mehrfasch zu starten, da das Programm oft nicht in den Computer eingeladen wurde. Das änderte sich auch beim Oric Atmos nicht und blieb ein fortauerendes Ärgernis.
Im Januar 1983 war der Computer endlich soweit serienreif, dass er ausgeliefert werden konnte. Seine Ausstattung war aufgrund des Soundchips AY3-8912 von General Instruments etwas besser als die des ZX Spectrum 48. Als Basic war eine Version von Microsoft Basic 1.0 implementiert und wurde Oric Extended Basic genannt.
Zum Zeitpunkt des Erscheinens des ORIC Atmos befanden sich Tangerine Computer Systems Ltd. und Oric Products International Ltd. schon in finanzieller Schieflage, da die erhofften Verkaufszahlen den tatsächlich verkauften Geräten hinterher hingen.
Im Januar 1985 schloss das Oric Hauptquartier in Ascot, es war Aufgrund der Kündigung der meisten Angestellten nicht mehr handlungsfähig. Im Februar wurde Oric unter Konkursverwaltung gestellte und in England Ende Juni 1985 endgültig aufgelöst. Die Nachfolgefirma in Frankreich konnte sich noch bis Dezember 1987 halten, bevor Oric International endgültig Konkurs anmeldet. Damit war die Ära Oric beendet.
Der Oric Atmos ist eigentlich ein ORIC 1 mit Issue-3-Platine. Die Tastatur ist wesentlich besser, als die kleinen Tastenkappen des ORIC 1. Die schlimmsten Bugs im ROM waren beseitigt, seine Verarbeitungsgeschwindigkeit war etwas höher. Der Atmos konnte mit diversen Erweiterungen wie einem Sprachsynthesizer, einem Joystick-Interface, einer Echtzeituhr, einem Diskettenlaufwerk und noch einigen anderen Zusätzen erweitert werden. Diese sind aber so gut wie nicht mehr auffindbar.
Er hat einen 6502A-Prozessor und wird mit 1MHz getaktet. Der RAM-Speicher beträgt 48kB, das ROM mit Betriebssystem und Microsoft Basic 1.0 ist 16 kByte groß. Das Basic verfügt neben den bekannten Befehlen auch Toneffekt-Kommandos wie ZAP, PING, SHOOT und EXPLODE, die vom Soundchip erzeugt und über den eingebauten Lautsprecher wiedergegeben werden. Der Computer ist mit reichlich Schnittstellen ausgestattet. Zum obligatorischen Anschluss des Netzteils kommt der ebenso obligatorische UHF-Ausgang. Neben dem Power-Eingang befinden sich der 34-polige Expansions-Port und die 22-polige Centronics-kompatible Druckerschnittstelle. Über eine 5-polige DIN-Buchse wird ein RGB-Signal mit Composit-Sync ausgegeben und an eine 7-polige DIN-Buchse wird der Kassettenrekorder angeschlossen. Als Besonderheit kann hier auch noch ein Mono-Tonsignal abgegriffen werden.
Innen macht der Atmos einen aufgeräumten Eindruck. Dominiert wird der durch den relativ großen Lautsprecher, der auch gehörig Lärm macht. Neben dem ROM ist noch ein Platz für eine Erweiterung der Software vorhanden, der aber nie genutzt wurde.


Atmos von Innen


Rückseite mit HF-Modulator, Kassetten-Interface, 
RGB-Video, Centronis, Systembus


Charakteristischer Startbildschirm 

 
Basicmeldung nach dem Start des Editors


Die gewöhnungsbedürftige Spannungungsversorgung

Die Hauptplatine ist auf die Unterseite der Tastatur aufgesteckt, die wiederum am Gehäuse festgeschraubt ist. Den Oric Atmos zu zerlegen ist sehr einfach: Gehäuseboden weg, drei Schrauben zwischen den Steckern lösen, Platine abheben und Tastatur ausstecken, fünf Schrauben der Tastatur lösen und aus dem Oberteil herausheben - zerlegt.
Andere Computer wie die BBC-Rechner von Acorn sind sehr viel schwieriger zu zerlegen. Unerwartet ist die Position der Reset-Taste. Er befindet sich auf der Rückseite und ist durch eine 7 x 9 mm große Öffnung im Computer-Unterteil zu erreichen. Um der Reset auszulösen benötigt man entweder einen spitzen kleinen Finger oder einen entsprechenden Gegenstand, der durch die Öffnung passt.
Kurios und unerwartet ist die Spannungsversorgung. An die Powerbuchse wird eine unregulierte 9-V-Spannungs angelegt, und über einen Negativ-Spannungsregler 7905 stabilisiert. Der Ausgang des Spannungsreglers stellt dann den Bezug der Spannungsversorgung dar, also die 0V. Gleichzeitig wird die 9V-Spannung auf +5V stabilisiert. Das ist nicht sofort zu durchschauen, man muss sich erst daran gewöhnen, da diese Vorgehensweise sehr unüblich ist. Sie funktionert aber fehlerfrei.
Der Startbildschirm nach dem Einschalten ist für den Oric ganz charakteristisch. So wie der ZX Spectrum 48 viele dünne vertikale roten Linien zeigt, die sich aufbauen und sofort wieder verschwinden, zeigt der Oric Atmos erst vier verscheiden lange horizontale Balken, die nach drei Sekunden verschwinden, bevor die Startmeldung erscheint. Werden RAMs mit unterschiedlichen Zugriffszeiten und von verschiedenen Herstellern statt den vorhandenen eingesetzt, weichen die vier horizontalen Balken einem undefinierten und etwas kuriosem Bild. Der Computer läuft anschließend aber trotzdem fehlerfrei.
Die Grafikauflösung beträgt 220x240 Pixel und im Textmodus werden 25 Zeilen â 40 Zeichen ausgegeben. Die Farbfähigkeit entspricht mit acht Farben ungefähr dem ZX Spectrum. Beeindruckend ist der Frequenzumfang der Tonausgaben. Sie beginnt bei 15 Hz, endet bei 62kHz und umfasst damit sieben Oktaven.
Alles in allem ist der Oric Atmos ein schöner Computer. Er ist solide verarbeitet und kompakt. Die Tastatur hat 58 Tasten in der internationalen QWERTY-Anordnung. Mir persönlich gefällt der Computer gut, er macht Spaß, sofern man sich mit den Ladeproblemen des Tape-Eingangs arrangieren kann. Er hätte ein Erfolg werden können, war aber definitiv zu spät auf dem Markt und hatte einige kleine aber lästige Fehler. Diverse Managementfehler taten ihr übriges. Dies alles verhinderte letztendlich seinen Erfolg, sicherte ihm aber einen Platz in der Computer-Geschichte der 80er-Jahre.