FASZINATION HOMECOMPUTER

Wenn in den 1960er und knapp bis Ende der 1970er Jahre von Computern die Rede war, stellten sich die Menschen Geräte vor, die die Größe eines Wandschrankes hatten. Vorne drehten sich dicke Magnetband-Spulen ruckartig vor und zurück. Eventuell sah man an der Frontseite ein paar wichtige Lichter blinken.
Eine andere Variante waren die großen Computer, die mit Lochstreifen oder Lochkarten "gefüttert", die zuvor als Papierrolle auf eine Spule gerollt oder als Kartenstapel in eine Aufnahmevorrichtung eingelegt wurden. Die Terminologie des Einlesens von Programmdaten nannte sich damals "beschickt". Ebenso wurden Programme "gefahren", wenn vom Programmablauf gesprochen wurde. Diese Begrifflichkeit war zu der Zeit normal, auch wenn es heute eher zum Schmunzeln reizt.
Tatsächlich habe ich persönlich noch an mittels Lochstreifen gesteuerten Messautomaten und an Computern mit den besagten blinkenden Lichtern gearbeitet, als ich mein Berufsleben als Elektroniker begann.
Mitte bis Ende der 1970er erlebte die Computerbrache dank Mr. Jobs und Mr. Wozniak einen unglaublichen Aufschwung. Es schossen Firmen auf der ganzen Welt aus dem Boden, die alle möglichen Computer-Typen und Systeme auf den Markt warfen. Eine beinahe unüberschaubare Anzahl von Herstellern bot Computer und deren Peripherie an - der Hype war unglaublich. Die Zeit ab Anfang der 1980er war geradezu abenteuerlich, es herrschte eine Aufbruchstimmung, die neue Innovationen und Entwicklungen gerade zu herausforderte. Selbst die Prognosen zur Computer-Entwicklung trieben manch kuriose Blüte. Ich kann mich noch gut an einen Artikel in einer Computerzeitschrift erinnern, in der für die 90er-Jahre ein Roboter für jeden Haushalt prophezeit wurde. Irgendwie habe ich da etwas verpasst. Mein Haushaltsroboter wurde wahrscheinlich nie abgeschickt...
Die Begeisterung war groß, was sich darin zeigte, dass sich fast jeder technisch interessierte Jugendliche und junge Erwachsene einen Computer ins Zimmer stellt. Das Argument, den Computer für die Schule zu benötigen, war nicht zu toppen und hat seine Wirkung fast nie verfehlt. Man möge auf YouTube nach "Hey hey 16k" suchen, der dieses treffend und ziemlich lustig musikalisch aufarbeitet.
In Sachen Begeisterung war ich selbst keine Ausnahme. Es waren selbstverständlich auch ältere Damen und Herren darunter, doch waren diese eher selten vertreten; die Damen sehr viel weniger als die Herren. Ich habe einen älteren Herren kennengelernt, der mit Begeisterung dabei war.
Im Laufe der Zeit dünnte sich der Markt der Hersteller aus, einzelne Hersteller wurden groß, andere übermächtig, die meisten verschwanden oder wurden von den Größeren einfach geschluckt.

Der Bausatz des ZX81, den ich mir während meiner Umschulung kaufte, war mein Einstieg in die Computerwelt. Einige Jahre zuvor hatte mir mein älterer Bruder ein 6502-Lernsystem gezeigt und mir erklärt, was man damit alles machen könne. ich habe gestaunt. Allerdings war das meine erste Berührung mit der Welt der Computer - die mich zu diesem Zeitpunkt wohl schwach aber immerhin infizierte. Mädchen waren dann doch interessanter, wie ich mich nicht scheue, es zuzugeben.
Als der Bausatz fertig aufgebaut war, wusste ich nichts damit anzufangen. Die mit dem Bausatz mitgeschickte Zeitschrift ZX User gab mir die ersten Starthilfe. Es war faszinierend zu sehen, wie der ZX81, das kleine schwarze Teil, kleine schwarze Quadrate und Schriftzeichen auf dem Fernsehgerät abbildetet und sie entsprechend dem Programmablauf, der zuvor mühsam eingetippt worden war, änderte.
Zeitgleich bauten wir im Unterricht ein Mikroprozessor-Lernsystem auf, dessen Herzstück ein 8085-Prozessor ist. Hier wurden mittels Assembler in HEX Speicherbereiche verschoben und LEDs auf dem Ausgabe-Port zum Blinken veranlasst.
Den ZX81 habe ich 1983 zugunsten meines ersten ZX Spectrum verkauft. Das 8085-Lernsystem habe ich immer noch. Es funktioniert noch und ist "Rest Of World" zu finden.

Es ist faszinierend zu sehen, dass die Kommunity dieser alten Computer nach wie vor lebt. Es werden Zusatzgeräte mit heutiger Technologie zum Anschluss an Computer aus dem 80ern angeboten, wobei das obligatorische SD-Karten-Laufwerk schon fast selbstverständlich ist. In fast jedem Fall haben diese Zusatzgeräte mehr Rechenpower als die Computer, an diese angeschlossen werden.
Des Weiteren hat sich auch die Programmiertechnik weiter entwickelt. Aus den alten Computern werden Leistungen herausgezogen, die vor 30 Jahren noch undenkbar waren. Wer hätte vor 30 Jahren gedacht, dass es für einen ZX Spectrum einmal eine Desktop-Oberfläche mit Fensterverwaltung geben würde?

Die Begeisterung für diese EDV-Fossilien ist nach wie vor ungebrochen. Selbst wenn diese Computer mit den modernen Computern nicht mithalten können, so haben sie den Charme des Vergangenen und eine echten nostalgischen Wert, werden doch Erinnerungen an die eigene Jugend und die Begeisterungsfähigkeit von damals wach, welche unter Umständen der Lebenserfahrung und der damit einher gehenden Desillusionierung weichen mussten.

Schön, dass es außer mir auch noch viele andere gibt, die sich für diese alten Computer interessieren und sie am Leben und somit in Erinnerung halten.
Die Links, die ich in ich zum Teil eingebaut habe, führen zu Seiten, die mehr Information vermitteln. Die Fülle der Informationen würde den Umfang meiner Präsentation bei Weiten sprengen. Ich kann sie sehr empfehlen.

Joachim Geupel, August 2016