Die Geschichte des Ortes »Willmandingen«


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Aus der Zeit des zweiten oder ersten Jahrhunderts v.Chr. stammt der Fund der ersten gesicherten und sicher bestimmbaren
Kulturrests Willmandingens - einer keltischen Münze eines keltischen Händlers oder Handwerkers. Bis zum Zeitpunkt,
an dem ich an diesem Text geschrieben habe, war es mir allerdings nicht möglich, herauszufinden, wo die Münze abgeblieben ist.

Die erste urkundliche Erwähnung Willmandingens stammt aus dem Jahr 772, genauer vom 10.Juli 772 einer Urkunde des
Klosters St. Gallen. Mit dieser Urkunde stattete ein Routhaus oder Ruotahi eine ihm zu Ehren gebaute Kirche in
Willmandingen mit Rechten und Gütern aus und schenkte sie dem Kloster St. Gallen. Auch das Kloster Lorsch
erhielt Besitzungen in Willmandingen. Beide veräußerten die jedoch schon bald. Nur das Kloster Zwiefalten erhielt später
dauerhaften Besitz in Willmandingen durch die Schenkungen von Mönchen an ihr Kloster im Jahr 1112.
Gegen Ende des 13. Jahrhunderts erwarb das Kloster Stetten Besitztümer in Willmandingen. Bis ins 19. Jahrhundert
besaß die Abtei Ställe und Zehntrechte in Willmandingen. Das Laien- oder Kirchenzehnt wurde von der Kirche seit dem
6. Jh. aufgrund biblischer Stellen von allen Gläubigen beansprucht. Dabei wurde die Kirche seit dem 8. Jh. durch das
staatliche Zehnt-Gebot unterstützt.
Neben einigen adligen Besitzern, die Fam. von Höllstein und den Grafen von Werdenberg, traten vor allem die
Grafen von Zollern als Besitzer und Herren auf, die ihren Besitz als Lehen an verschieden Lehensträger verliehen.
Im Jahr 1477 gelangte der Besitz schließlich an das Haus Württemberg. In der Folge gehörte der Ort zum Amt Urach,
zwischenzeitlich auch zum Amt Pfullingen.

Im Laufe seiner Geschichte erlebte Willmandingen ein wechselvolle Entwicklung. Wirtschaftlicher Wachstum und Stillstand,
Friedensjahre und mehrere Kriege wechselten sich in den Jahrhunderten ab. Vor allem der 30. jährige Krieg von 1618 bis 1648
und der Spanische Erbfolgekrieg forderte von der Gemeinde Willmandingen große Opfer. Durch Plünderungen, Brandschatzung
und Teuerung entstand große Not.
Als Folge der während des Kriegsgeschehens angerichteten Schäden und Vernichtungen griffen Hunger und Seuchen um sich.
Ein Großteil der Bevölkerung kam dabei ums Leben. Diese Geschehnisse wiederholten sich und Wohlstand und Ruhe wurde zu
äußerst seltenen Erscheinung.
Zwischen den Zeiten der Kriege lagen aber auch Zeiten des Aufbaus, durch die das Bild des Ortes geprägt wurde. Bei aller
politischer und kriegerischer Unruhe blieben Ackerbau und Viehzucht der entscheidende wirtschaftliche Faktor. Auch trugen
die Bohnerzgruben, die heute noch oberhalb des heutigen Steinbruchs auf dem Bolberg zu finden sind, einen nicht
unbeträchtlichen Teil zum Wohlstand der Menschen Willmandingens bei. Durch die Ausbeutung der Bohnerzknollen, die an das
Hüttenwerk in Sigmaringen verkauft wurden, konnte sich Willmandingen vier Kneipen leisten, ohne dass diese auf Gäste von
Außerhalb angewiesen waren. Interessanter Weise brachten die Willmandinger das Geld auch in den Kneipen durch.

Als die Industrialisierung zu Beginn des 20. Jh. Willmandingen erreichte, begann sich die Struktur der Gemeinde allmählich
zu ändern. Es siedelten sich Firmen an, deren Schwerpunkt in der Produktion von Textilien bestand. Große Teile der willmandinger
Bevölkerung war in diesen Betrieben tätig.
Allerdings konnte die industrielle Weiterentwicklung nicht ungestört weitergehen, sie wurde von den beiden großen Kriegen,
der 1. Weltkrieg und einige Jahre später der 2. Weltkrieg, unterbrochen.
Erst das Wirtschaftswunder nach dem 2. Weltkrieg brachte den Aufschwung nach Willmandingen zurück.
Seit 1975 ist Willmandingen einer der vier Teilgemeinden, die Sonnenbühl ausmachen.


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